Die Fichte ist Fluch und Segen zugleich.

Einerseits ist mir die Verbreitung in Monokulturen ein Dorn im Auge, allerdings können die Fichten selbst hierfür nur bedingt etwas. Die Problematiken, die die sehr einseitige und im Prinzip für die meisten Standorte ungeeignete Verbreitung mit sich bringt, machen vermehrt durch den Klimawandel bedingte Unwetterereignisse deutlich. Wenn erfahrene Förster ungläubig berichten, dass (die flach wurzelnden) Fichten bereits ohne starken Wind entwurzeln, stimmt etwas gehörig nicht.

Doch das soll hier nicht weiter Thema sein, stattdessen wenden wir uns lieber dem Fichtensegen zu: den leckeren und reichhaltigen Fichtentrieben, die sich genussvoll verarbeiten lassen.

Fichte oder Tanne?

Fichten begegnest du quasi überall. Wirtschaftliche Interessen haben dafür gesorgt, dass der natürlicherweise geringe Fichtenbestand erheblich erhöht wurde und es daher ein leichtes sein sollte, Fichtenbäume zu finden. 

Für viele stellt sich beim Betrachten der Nadelbäume oftmals die Frage: Fichte oder Tanne – was ist denn jetzt was? Ein einfacher Merkspruch lautet: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht“. Deshalb ist der Tannenbaum als Weihnachtsbaum auch so beliebt, abgesehen davon, dass er nicht so schnell seine Nadeln verliert. Ein eindeutiges Merkmal der Fichte sind ihre Zapfen, die fälschlicherweise als „Tannenzapfen“ bezeichnet werden. Tatsächlich handelt es sich aber um die herabhängenden, länglichen Fichtenzapfen. Die wahren Tannenzapfen dagegen stehen senkrecht nach oben. 

Wenn du einen Fichtenzweig betrachtest, wirst du außerdem feststellen, dass die Nadeln spitz und rund um den Zweig angeordnet sind. Bei der Tanne sind die Nadeln weniger spitz und flach angeordnet. Wenn du dir den Stamm anschaust, siehst du, dass die Äste „kreuz und quer“ stehen, bei der Tanne sind sie „ordentlich“ in Etagen angeordnet.

Verwechslungsgefahr mit der giftigen Eibe

Wenn du die Triebe sammelst, solltest du dir sicher sein, um welchen Baum es sich handelt. Denn es besteht die Verwechslungsgefahr mit der giftigen Eibe, die zur gleichen Zeit hellgrüne Triebe ausbildet. Die Nadeln der Eibe sind deutlich platter

Fichtenwunder: Die Wirkung von Fichten

Beim Spaziergang durch einen Fichtenwald werden deine Sinne durch den aromatischen, zitrusartigen Duft geweckt. Besonders von April bis Juni, wenn die jungen, hellgrünen Triebe zu finden sind, strömt ein frischer Duft aus. Verantwortlich sind ätherische Öle, die du in den nachfolgenden Monaten in den Harzen findest. Die Öle, die du auch in den ausgereifteren Nadeln findest, helfen bei Muskelverspannungen und Atemwegserkrankungen. Um dein Immunsystem gerade jetzt zu stärken, konzentrieren wir uns zunächst aber auf die Triebe, die Vitamin C enthalten.

Fichtenspitzen Sammeltipps

Wenn du Fichtenspitzen sammelst, solltest du die jungen Fichtenbäumchen meiden, denn sie brauchen ihre Kräfte, um noch weiter zu wachsen. Von den älteren, bereits ausgewachseneren Fichten darfst du dich dagegen ohne schlechtes Gewissen bedienen. Dennoch solltest du deine Fichtenernte nicht auf einen einzigen Baum beschränken und alle jungen Triebe abrupfen. Im Sinne der nachhaltigen Ressourcennutzung, bediene dich in einem überschaulichen Maß an einem Zweig und Baum und wechsle dann zum nächsten. Bei dem großflächigen Baumbestand sollte das kein Problem sein. Wie für alle Wildpflanzen gilt: Sammle nur so viel wie du selbst verbrauchen kannst!

Maiwipfel

Fichtenspitzen Rezepte

Fichtenspitzen-Fast-Food

Du kannst die Fichtenspitzen direkt vom Baum naschen. Die hellgrünen Triebe sind weich und als kleiner Snack zwischendurch eine erfrischende Abwechslung während deines Waldspaziergangs. In den Salat gemischt oder als Zutat zu deinem Kräuterquark sorgt er für eine tolle Abwechslung. 

Fichtenspitzen-Pesto

Ganz ähnlich dem Bärlauch-Pesto kannst du ein Fichten-Pesto herstellen. Mit den Zutaten kannst du spielen und ausprobieren was deinen Geschmack trifft. Ich mag beim Fichten-Pesto beispielsweise nur etwas Parmesan über das Gericht gestreut und nicht direkt ins Pesto gemischt. Anstatt von Sonnenblumenkernen versuche auch mal Mandeln.

Für ein Gläschen brauchst du:

  • ca. 120 g Fichtenspitzen
  • optional Parmesan (Menge je nach Geschmack)
  • Pinien- oder Sonnenblumenkerne
  • Etwas Zitronensaft
  • Olivenöl

Die Fichtenspitzen gut mit lauwarmen Wasser waschen, am besten funktioniert das in einem Sieb. Die Spitzen mit einem frischen Geschirrtuch trocken tupfen oder eine Salatschleuder verwenden. Die Kerne in einer ungefetteten Pfanne anrösten. Die Triebe zusammen mit dem Parmesan (falls gewünscht), dem Zitronensaft und den Kernen in einen Mixbecher geben. Alles mit Olivenöl bis zur Hälfte bzw. Dreiviertel auffüllen. Mit dem Pürierstab sämig mixen und fertig! 

Mein Tipp: Das Pesto schmeckt hervorragend an Spaghetti oder auch in Kartoffel- oder Nudelsalat untergemischt!

Fichtenspitzen-Butter

Für eine echte Überraschung bei der nächsten Grillfeier sorgst du mit einer Fichtenspitzen-Butter. Sie ist genauso einfach zu machen wie eine Bärlauchbutter.

  • 250 g Butter
  • 3-4 Handvoll Fichtentriebe
  • 1 Prise Kräutersalz

Dafür musst du die gereinigten und trocken getupften Fichtentriebe einfach nur klein schneiden und mit der weichen Butter vermengen. Mit Salz abschmecken und am besten über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen, damit sich das Aroma ausbreiten kann.

Fichtenspitzen-(Husten)Sirup

Der Fichtenspitzen-Sirup ist ein wirkungsvoller Hustensaft, kann aber auch zum Verfeinern von Salaten verwendet werden. 

Für zwei kleine Einmachgläser brauchst du:

  • 250 g Fichtenspitzen
  • 375 g Bio-Rohrohrzucker

Die Fichtenspitzen gut säubern. In trockenem Zustand in ein großes Einmachglas abwechselnd mit dem Zucker schichten. Mit den Spitzen beginnen, darüber eine halb so dicke Schicht Zucker, eine Schicht Fichtenspitzen usw. Mit einer Zuckerschicht abschließen.

Das Einmachglas schließen und für 2-3 Wochen an einen sonnigen Platz, am besten auf die Fensterbank, stellen. Wenn sich der Zucker vollständig aufgelöst und sich zusammen mit den ätherischen Ölen den Fichtenwipfel als Sirup sichtbar abgesetzt hat, kann es ans Abfüllen gehen. Dafür den Sirup durch ein Baumwoll-/Leinentuch oder ein feines Sieb filtern und abfüllen.

Den fertigen Fichtenspitzen-Sirup lagerst du am besten an einem kühlen und dunklen Ort, damit er sich lange hält – entweder im Keller oder im Kühlschrank. 

Fichtenspitzen-Honig

Anstatt von Rohrohrzucker kannst du auch Honig verwenden. Für deinen Fichtenhonig benötigst du:

  • ca. 40-50 Fichtenspitzen
  • 500 g flüssigen Honig

Etwa 40 Fichtentriebe in einem sauberen Einmachglas mit 500 g flüssigen Honig übergießen und für 3-4 Wochen an einem sonnigen Plätzchen ziehen lassen. Du wirst sehen, dass sich der Honig verfärbt. Damit ist er einsatzbereit.

Bei ersten Anzeichen lässt du täglich ca. 1 TL im Mund auflösen, um den Halsbeschwerden der Garaus zu machen. Die Triebe dürfen übrigens im Honig bleiben, was dir etliche Sauereien erspart und zudem noch hübsch aussieht.

Fichtenspitzen-Schoko-Konfekt

Fichtenspitzen-Konfekt-Schokolade

Selbst Skeptiker habe ich damit überzeugt:

  • Junge Fichtentriebe (Menge nach Bedarf)
  • Zartbitter-Kuvertüre

Die Kuvertüre lässt du im Wasserbad schmelzen, um dann die Triebspitzen einzutauchen. Wenn die Schokolade hart geworden ist, kannst du dein Schoko-Konfekt vernaschen oder zusammen mit einer Kugel Eis oder frischem Obst servieren.

Willst du die Welt entdecken & Abenteuer erleben? Dann melde dich jetzt für meinen Newsletter an & freue dich über exklusive Inhalte (Freebies, Tourenvorschläge, persönliche News u.v.m.)

Mit der Anmeldung zum Newsletter erkläre ich mich einverstanden in Zukunft Informationen und Werbung per E-Mail zu erhalten. Zudem erlaube ich die Verarbeitung meiner Daten laut den Datenschutzbestimmungen.