Schon länger, aber in letzter Zeit verstärkt, ist mir aufgefallen, dass in unserer Gesellschaft über andere Menschen kontinuierlich geurteilt wird. Sowohl wenn man etwas tut, als auch wenn man etwas nicht tut. Entweder macht man nicht das Richtige, nicht genug oder wird als unproduktiver Nichtsnutz oder wenn es hart auf hart kommt, als Schmarotzer abgestempelt. Das passiert in Gedanken, direkt ins Gesicht oder noch schlimmer hinter dem Rücken des Betroffenen.

Ich selbst bin schon in eine ähnliche Falle getappt, doch mir ist klar geworden, dass allein solche Gedanken bereits falsch sind. Im Prinzip sollte die Gedankenwelt frei von sämtlichen Beurteilungsmaßstäben sein, denn erst dann meine ich, machen wir uns frei und können das Leben in seiner unendlichen Schönheit und Glückseligkeit genießen.

„Die Gedanken sind frei … „

Credit: Free-Photos

Warum wir andere nicht be- bzw. verurteilen sollten

Über eine andere Person ein Urteil zu fällen, ist nicht nur eine unschöne, sondern auch extrem subjektive Angelgenheit. Ich bin nicht mein Gegenüber und kann mich niemals in sie oder ihn hineinfühlen. Es wird NIE der Moment kommen, in dem ich weiß wie der andere tickt.

Daher ist es auch so heikel, dem anderen gegenüber sein Urteil zu äußern, auch nicht wenn es mit einem (falschen) Lächeln geschieht. Mir geht es vor allem darum, dass Neid, Missgunst, Hass und alle negativen Emotionen gegenüber einer anderen Person dadurch entstehen, dass der andere bewertet, beurteilt und an der eigenen Erfahrung gemessen und damit verglichen wird. Das ist aus meiner Sicht der falsche Weg, um in Harmonie mit sich selbst und anderen zu leben.

Es wäre von Vornherein gesünder, solche Worte erst gar nicht in die Welt zu entlassen. „Leben und leben lassen“ heißt es so schön. Ich denke, dass dies einfach und deutlich ausdrückt was so wichtig ist. 

Credit: Michael Gaida

Letztlich ist das Gegenüber ohnehin nur ein Spiegel des Selbst, der die Unvollkommenheit der eigenen Person veranschaulicht. Am fatalsten wäre es, anstatt sich mit der Ursache auseinanderzusetzen, nämlich mit sich selbst, zur Bestärkung seines Urteil und der persönlichen Haltung, Komplizen zu suchen. Dann hätte man einen großen Haufen von Menschen zusammengetrommelt, die ihre Energie dafür verschwenden würden über andere böse Worte zu verlieren, anstatt die gemeinsame Zeit zu nutzen, um etwas Positives in die Welt zu entsenden. 

„Bevor du urteilen willst, über mich und mein Leben, ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg!
Durchlaufe die Straßen, Berge und Täler,
fühle die Trauer, erlebe den Schmerz
und die Freuden,
und erst DANN kannst Du urteilen!“

Credit: Marjon Bestemann

Die Kunst des Nichtstuns

Selbst wenn ich in der Hängematte liege, auf der Wiese sitze oder mich in der Sonne räkel, heißt das nicht, dass ich vermeintlich Nichts tue. Nur weil ich nicht etwas sichtbar Produktives tue, kann ein Außenstehender nie wissen, was sich in mir abspielt. Allzu oft hänge ich für mich wichtigen Gedanken nach, überlege wie ich auf vergangene Situationen in Zukunft besser reagieren kann oder an welchen Angewohnheiten ich wie arbeiten möchte. Manchmal genieße ich auch nur das schöne Wetter, spüre die wärmenden Sonnenstrahlen auf meiner Haut, lausche dem Vogelgesang oder dem Rauschen des Wassers.

Doch das ist genauso produktive Zeit, denn es schenkt mir für mein Leben und alles was kommt Inspiration, Klarheit und Energie. Ohne Nichtstun finde ich keine Kreativität. Erst wenn ich mir erlaube, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, kommen mir unangekündigt neue Einfälle. Es hat den weiteren großen Vorteil, dass durch bewusstes und erlaubtes Nichtstun ein enormer (Erwartungs-)druck abfällt und ich mich motivierter und fröhlicher fühle. 

Nichtstun in Zeiten von Corona

Gerade jetzt wo überall Ausgehbeschränkungen verhängt wurden, wird mir deutlich wie wichtig dieses Nichtstun tatsächlich ist. Es ist bei vielen wie auch bei mir zu sehr in Vergessenheit geraten, bei manchen mehr, bei manchen weniger.

Vermutlich bin ich auch deshalb dem sich immer schneller drehenden Rad entflohen. Ich hatte vollständig den Kontakt zu mir und meinem Körper verloren. Die Erwartungshaltung der Vorgesetzten, kontinuierlich lukrative Ergebnisse zu liefern und Gewinne zu erzielen, fühlte sich unnatürlich und nicht richtig an. Kreative Freiräume gab es nicht, weshalb sich die Erschöpfung und Kontaktlosigkeit mit mir und allem um mich herum verstärkte.

Erst die Langsamkeit und Einkehr haben mir neue Kraft und den richtigen Fokus geschenkt und ich, wie auch mein Körper, konnten wieder heilen.

credit: Free-Photos

Zukunftswünsche für ein lebenswertes Miteinander

Ich würde mir wünschen, dass Nichtstun jetzt und in Zukunft als etwas Positives gesehen wird. Dass Stillstand, Einkehr und sich Sammeln wieder als wertvolle Lebensquelle wertgeschätzt werden. Dass alle Menschen egal was sie Tun oder Nichttun als wertvoller Teil unserer Gesellschaft anerkannt werden. Dass jeder jedem das Leben gönnt, dass sich der andere ausgesucht hat. Dass jeder über sich selbst reflektiert, anstatt über andere zu urteilen. Dass Miteinander statt Gegeneinander nicht nur in Worte gefasst, sondern auch ehrlich gelebt wird.

„Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden deine Worte;
Achte auf deine Worte,
denn sie werden deine Taten;
Achte auf deine Taten,
denn sie werden zu Gewohnheiten;
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden dein Charakter;
Achte auf deinen Charakter,
denn er wird zu deinem Schicksal.“

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Wie gut bist du darin, dir bewusst Zeit für dich zu nehmen
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